Grundlegende Gedanken aus dem Jahre 1989
zu meiner Absicht und meiner bildnerischen Arbeit

© von Peter Kappenberg


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Meine Absicht ist nicht, Bilder zu verkaufen oder Bilder für den
Verkauf anzufertigen. An der Hervorhebung meines Namens
und meiner Person ist mir nicht
gelegen.

Wenn ich heute (1989) davon rede, Bilder gegen Geld abgeben zu wollen,
dann hauptsächlich nur, um Platz zu schaffen. 1987 habe ich aus
demselben Grund vierzig Bilder in die Müllverwertung gegeben.
Gerne möchte ich mich von bildnerischem Ballast befreien.
Aber ohne PR. Warum? Weil mir das alles zuwider ist!
Eine schlimme Vorstellung ist für mich, vor meinen Bildern
zu stehen und einer sagt zu allen Anwesenden:
"... und das ist Peter Kappenberg, der Maler dieser Bilder".

Ich bin doch als Maler neben dem Bild ganz nebensächlich.
Man könnte doch nur seine Eitelkeit befriedigen, ließe man
sich auf diese Art von Öffentlichkeitsarbeit ein. Ständig
wäre man gezwungen, Stellung zur eigenen Arbeit zu beziehen,
z u  e r k l ä r e n. Man muß sich mit Bewertungsnormen
auseinandersetzen und sich vielerlei Meinung anhören.

Dabei glaube ich, daß Bilder nur bildgewordene Erinnerungen
an Momente sind, in denen es möglich war, eine schöpferische
Leistung zu erbringen.
Diese schöpferische Leistung erlebt der
Schaffende nur selbst während er sie ausübt.

Und ich bin so frei zu behaupten, daß heute Maler und Künstler
wie Pilze aus dem Boden schießen und uns des Kaisers unsichtbare
Kleider als neuesten Kulturgipfel präsentieren.

Dieser Versuch wird im Ansatz als mißglückt erkannt. Eine öde Langeweile
schlägt mir beim Lesen von Kunstkritiken entgegen. Da spürt man das leise
Plätschern der Kunst aus deutschen Landen. Ein schwaches aber tausendfältiges
Echo vom bildnerischen Schaffen einer Nation, von der man das Brausen des
Aufbruchs und der Renaissance erwartet. In welcher Zeit leben wir denn?

Die selbsterlebte, schöpferische Tat ist das eigentliche Ziel.
Sie ist zugleich der Lohn. Verkaufen wollen, Eigenwerbung machen hieße,
dem Eigentlichen noch etwas aufzusetzen, etwas was da gar nicht hingehört.

Wer mit seiner bildnerischen Arbeit Geld verdienen will, soll in die
Werbung und in die Wirtschaft gehen, wer bekannt werden will, geht
zum Fernsehen und den Ruhmessüchtigen schlage ich die Politik vor,
dort werden Flaschen auch nicht so schnell entlarvt.

Nun entpuppt sich aber die nationale Kunstszene noch mehr träge als tolerant.
Sie baut für all jene ein weiches Nest, die für vorgenannte Vorschläge zwar
willens aber nicht fähig sind. Es ist ja auch zu einfach, Nichts bedeutend
darzustellen. Fehlende Leistung wird mit abstraktem Wollen erklärt; Unfähigkeit,
sprich Dilettantismus, dokumentiert überzeugend das Verantwortungsgefühl des
gepriesenen Künstlers. Glücklich, wer zur richtigen Zeit am richtigen Ort den
Kurzzeittrend aufgespürt hat. Die Kasse klingelt, keiner fühlt sich geneppt,
alle und alles ist wichtig. Ja wo sind wir denn!

Ich denke heute nur daran, n i e m a l s in diesen Strudel zu geraten und
möglicherweise auch noch unbemerkt, meine kostbare Zeit dabei zu verplempern.
Mich jedenfalls würde es nicht verwundern, wenn die Werke von "Kunst und
Kommerz" in einigen Jahren klanglos von der Bildfläche verschwunden
sind, denn sie haben keine Substanz.

Ein Künstler, der diesen Namen auch verdient, muß immer hinter seinem Werk
zurücktreten,  v o l l s t ä n d i g. Er muss sich, um es klar auszudrücken,
v e r b e r g e n. Er darf keinen Stolz empfinden, keine Selbstbewunderung
oder gar Euphorie. Dies sind alles Dinge, die er lernen muss zu überwinden.
Er muss der Aufmerksamkeit und der Schmeichelei entfliehen.
Sein Lohn wird sein: die schöpferische Tat.


Peter Kappenberg


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