SCHREIBÜBUNGEN

... zur Geistesbildung

1997 - 2006 © Peter Kappenberg


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Kommentar
Nachfolgende Texte beschreiben keine wahren Begebenheiten,
sondern es sind lediglich phantastisch überzogene Formulierungen,
Wortspielereien, um den Reiz und die Spannung von Sätzen und
Aussagen zu steigern. Ahnlichkeiten mit Sachverhalten oder Personen
sind rein zufällig.




Es wird Frühling

Ja, es wird Frühling,
die Schweine grasen auf der Wiese
und sehen noch runder und rosiger aus
als in den vergangenen Wintermonaten.

Dicke Pferdeäpfel türmen sich auf den Radwegen
und man versucht um diese und um die Abfalltüten
Slalom herum zu fahren, denn es ist schon wieder Montag.

Die Fischreiher stolzieren auf der Wiese,
Habicht und Bussard stehen in der blauen Luft.

Wild kreischend fällt eine Schar schwarzer Krähenvögel
in diese Szene ein und macht jedem sein Fleckchen streitig.
Es kann doch nur um Schnecken gehen, bestenfalls um Mäuse.

Wuchtig plustern sich weisse Wolken vor blauen Grund,
grelle Sonnenstrahlen versprechen etwas wohlige Wärme,
aber nur, wenn der steife Wind sich ein wenig legt.

Die Natur, nur zögernd überstreift sie ihr zart-grünes Kleid.



Als Mensch, schuldig

Leidet man nicht an der Welt,
und an dem was in ihr ist?

Wenn ich Wünsche frei habe,
oder besser, Dinge verfügen kann,
die dann kommen, denke ich dann
eher an mich selbst,
oder eher an die anderen?

Ich denke also eher weniger an mich selbst,
sondern eher an die anderen.

Ich bin höchstens nur ein Werkzeug,
wenn es eben geht,
Dinge in Bewegung zu setzen -
wirklich, wirklich! nicht mehr.

Und das ist eine Errungenschaft,
um die man sich stets bemühen muss,
solange man folgerichtig denken kann,
das ist man doch, als Mensch, schuldig.



Wolkenbilder?

Wolkenbilder? Die mache ich freischwebend,
teilweise über die Brüstung verrenkt,
während ich versuche durch das dunkle,
enge Objektiv zu kriechen,
um in eine andere Welt zu gelangen,
einem Geburtsvorgang nicht unähnlich.

Da ist die Horizontale nicht mehr mit dem
Verlauf des Horizonts zu vergleichen,
da verwischen Unten und Oben
im gleißendem Lichtstrahl,
der sich durch ein Wolkenloch verirrt
und das "Über mir" in Brand steckt.

Macht es nicht den Eindruck,
als wenn der Leibhaftige selbst,
auf dem ewigen Thron sitzend,
erscheinen müsste?



Glückwünsche an den Getauften

Haben wir nicht am letzten Tage noch Pläne geschmiedet
und in Nachbars Garten Bäumchen entwurzelt?
Trieb uns nicht die "Wollende Lust",
das "Ungestüm" im Strom der Zeiten?
Erfasste uns nicht das, aus unseren Tiefen aufsteigende,
triebhafte "Dasein wollen"?

Wer stellt sich dem schon entgegen?
Die Natur?

Wir sind die Natur, wir sind das Wollen
und das Könnende im Strom der Zeiten,

wir sind Kinder Gottes
und nichts kommt uns gleich!

Wandelten wir nicht auf seinen Wegen,
betend, hoffend, weinend vor Trauer
und auch vor Glück? Vereinigten wir nicht
das Äußere mit dem Inneren
und umgekehrt.

Also, in diesem Sinne

Glückwünsche an den Getauften



Ich gehe nach Indien

Mit Erstaunen und leichtem, ungläubigen Erschauern
höre und lese ich ein: "Ich gehe nach Indien".

Veränderungen wahrnehmen.

Was gestern vertraut und häuslich erschien, ist schon eine
kurze Spanne Zeit später mit Befremden belastet, mit Abstand,
mit Abschied, was weiß ich!

So bewegt sich alles in einem immerwährenden Reigen um
mein eigenes Selbst und ich beobachte das Schicksalshafte
der Anderen in Facetten und begegne der Hoffnungslosigkeit
und der unendlichen Verzweiflung häufiger als allem anderen.

Den richtigen Blick dafür vorausgesetzt,
war es wohl schon immer so?

Sei es drum!

Verstohlen blickt man sich nach vielen Seiten um
und ist froh,
immer noch Ordnung in der Welt zu entdecken
und Wollen und Streben
zu Besserem.

Gott sei Dank.



Diese kleine Stubenfliege

Wenn ich mich daran erinnere,
zur rechten Zeit,
schreibe ich ein paar Zeilen,
über eine Stubenfliege,
die seit Tagen,
ach, was sage ich, seit Wochen,
mein ständiger Begleiter,
in meiner Kemenate
ist,
nahezu vertraulich,
liebgewonnen,
ein Geschöpf;
so wie ich.

Ich liebe,
diese kleine Stubenfliege.

Im Moment sitzt sie rechterhand
und ich schütte ein paar
Tropfen,
auf die Arbeitsplatte.

Also feiern wir,
ein kleines Fest,
auf unser Leben,
Rest.



Ist doch alles ganz einfach

... Nun - es war Wochenende - da läßt sich so manches denken -
also war ich vorbereitet - im Alltäglichen übertrumpft man so den
Familienvater - der keine Ruhe und somit keine Zeit findet -
für Kontemplation - für Konzentration auf Wesentliches.
Insofern, wenn nicht immerhin, siehste wohl, so war das?!

Ich meine nun also konkret, diese Menschen auf den Ämtern,
die hatten über das Wochenende auch wenig Zeit, wegen des Bratens,
wegen der Kinder oder der sonstigen, sonntäglichen obligatorischen
Aktivitäten. Das haben sie jetzt davon. Lass Dich von denen nicht
zur Strecke bringen, formuliere einen Tatsachenbericht "alleinerziehende
Mutter von bayerischen Behörden gequält" - mit Bildern der Übeltäter,
inklusive Nennung der Parteizugehörigkeit - ist doch alles ganz einfach!



Zurück aus Moskau

Albert S. ist aus Moskau zurück,
rief mich in der Umkleidekabine an,
wir müssen uns unbedingt treffen, damit
er den Kommunismus abschütteln kann.
Ich denke, der dreht jetzt völlig ab,
aber bei mir ist er richtig.

Ach, in der Umkleidekabine, das war ja
meine Bank, nein im Aldi, vor dem Müsliregal,
genau so war es, ich erinnere mich. Da habe ich
eine Klobürste für 65 Cent gekauft, nagelneu,
bin jetzt noch stolz, ein Schnäppchen sozusagen.

Frauenfeindliche Äußerungen mache ich keine,
dafür habe ich gar keine Zeit, habe mir deswegen
aber gerade eine Notiz gemacht. Das übe ich vielleicht
morgen in der Früh vom Balkon aus, damit die Damen
auf dem Weg zur Arbeit mal richtig wach werden.
" Verpennte Schicksen, aufgemerkt". Dann kommt das
Leergut von oben, an die 30 Flaschen Einweg-Mineralwasser,
smaragdgrün! ... das splittert so schön und gibt so ein
herrliches Bild auf dem zugekotzten Pflaster.

Alles weitere morgen



Rohrkrepierer, impotente Strippenleger und Faulgesindel

Ich warte mal wieder auf die Handwerker
und während ich das tue, hatte ich gerade ein
schönes, aufregendes Streitgespräch mit
der Frau des Vorsitzenden des Sportvereins,
in dem ich meinen Kampfsport mache.
Sie meinte, ich könnte nicht so einfach
kündigen. Ich sage: "ich kündige nicht, sondern ich
untersage ihnen den Einzug der Mitgliedsgebühren
von meinem Konto". Sie meinte, ich würde mich
aufregen. Ich habe mich überhaupt nicht aufgeregt,
ich habe lediglich bestimmt meinen Willen vorgetragen
und das ich mich ärgere, dass auf meine eMails keine
Antwort erfolgte. Also kurz und gut, das war erfrischend!
"Noch jemand ohne Haue hier?" Mal schauen, mit wem
ich mich noch in die Haare kriegen könnte, vielleicht sollte ich
vom Balkon aus die Handwerker beschimpfen?!
Den Klempner als Rohrkrepierer bezeichnen, den Elektriker
als impotenten Strippenleger und die Maurer als polnische
Schwarzarbeiter. "Mein Fahrrad bleibt aber stehen!"
So, mein Blutdruck ist jetzt eingestellt,
wo bloß der Meister und seine Kumpane bleiben?
Faulgesindel!



Wann wird das Haus eingerüstet?

Na prima!

Meine Vermieterin meint nun, ich solle doch die
Materialkosten bezahlen, weil alles so teuer ist.
Null Euro will ich maximal bezahlen, habe ich ihr
gesagt. Sie hat milde genickt. "Hoch, sie haben ja
schon wieder alles umgestellt!".
"Wollen`se nen Bier?".

Dann krabbelte heute ein Elektromeister
unentwegt durch ein Kippfenster und hat
mit seinen groben Lastschen meinen
ganzen Anstrich ruiniert. Ich sage noch:
"Nehmen sie den Stuhl, wenn sie da immer
rausklettern müssen, das ist besser als
ihre wackelige Leiter." Den kann ich jetzt
auf den Sperrmüll geben.

Er will nun unbedingt eine neue Telefonleitung
legen und bohrt Loch an Loch durch´s Dach,
direkt in meinen Kleiderschrank, wo er dann
für längere Zeit verschwindet, keine Ahnung,
was der da macht. Bequem ist es da nicht,
so zwischen Drucker, Scanner, Aktenordner,
Hemden, Anzugsjacken usw. Wenn es ihm
Spaß macht?! Morgen kommt er wieder.
Ich sage noch: "Nicht vor acht!".
Nun kommt er um achtuhrdreissig
und will weiter bohren.

Der Klempner, der nebenan bei der
Nachbarin seine Lehrlinge unentwegt
beschimpft und neue Wasserleitungen
verlegt, hat heute im ganzen Haus
das Wasser abgestellt. Als er es dann
wieder anstellte, lief bei mir in der Küche
das Wasser, obwohl der Hahn abgedreht war!
Während ich dieses Phänomen mit wachsender
Unruhe und mit tropfenden Pinsel in der Hand
besorgt beobachtete, klingelte erneut das
Telefon, es war meine Vermieterin!
"Soll ich das Bier schon mal warm stell ..... ?".

Der Klempnermeister stürmte zeitgleich
mit ihr mein kleines Appartement,
während ich immer noch den tropfenden
Pinsel hilflos in der Hand hielt.
"Heute ist der Giebel dran!".
"Wie bitte?". "Das kann schon mal sein,
die Leitung ist verschmutzt, da ist Flussmittel
drin, das müssen sie jetzt mal eine Stunde
laufen lassen, sonst schmeckt der Kaffee nicht

Unten, im Eingangsbereich, haben verwegene
Handwerkerburschen den gesamten Eingang
weggerissen. Den ganzen Tag Presslufthämmer
und Geschrei - der Eingang ist gesperrt.

Der Sturm schleuderte tagsüber meine Zimmerpflanzen
auf dem Balkon mal in die eine, dann in die andere Ecke.
Einige Blätter der Benjamini sind weiß geworden,
wahrscheinlich vor Schreck.

Zwischendurch - Schreckensmeldungen aus dem Büro,
Frau Heilig-Pache ist besorgt, Eckmann geht ins
Krankenhaus, Woitzik hat Urlaub, Neuland lächelt
sich eins und Knippschild will keinen Kaffee mehr
holen. "Na, das ist doch .....!"

Der farbige Noppenteppich für das Bad ist gestrichen:
"... zu teuer!" "Haben sie denn richtig ordentlich mit
dem Meister verhandelt? Der weiss doch gar nicht was
er anbieten soll. Der schreibt doch einfach was auf?"
Mildes Lächeln. "Noch`en Bier?"

Wann wird das Haus eingerüstet? Wird die
Gemeinschaftssatellitenschüssel tatsächlich
in meinem Badezimmer installiert? Bekomme ich
eine neue Küche, eine die auf Beinchen steht
und wann kann ich endlich digitale Fernsehprogramme
empfangen. Fragen über Fragen.

Ich hab es dann doch noch geschafft. Nach vier Tagen
ist alles gestrichen. Ich gehe nicht mehr vor die
Tür, seit Tagen esse ich nur Pizza, selbstgemacht.

Wegen der beidseitigen Schleimbeutelentzündung
gehe ich vorsorglich schon morgen zum Arzt, wegen
der Spritzen in die Schultergelenke, oder warte ich
bis Montag? Ach, das geht ja nicht. Da kommt kommt
ja der Meister und seine Kumpane um hier den Teppich
rauszureissen. Soll so vorausichtlich ein bis zwei
Wochen dauern, bis fertig. Das passt ja. Da ist mein
Urlaub nämlich zu Ende... wenn nicht etwas
Unvorhergesehenes passiert ....!



Genaue Betrachtungsweise


Bei genauer und richtiger Betrachtungsweise
musst Du nicht auch zugeben, dass das Dasein
eher langweilig und trostlos ist?! Sich in
Facetten ewig wiederholt und nur dem einfachen
Gemüte Abwechselung und Erregung bringt?

Genau!

Der Geist ist beschränkt, die Möglichkeiten
sind beschränkt und das ganze Leben ist eine
einzige Beschränkung.


Und nur ein Wimpernschlag Zeit trennt
jenes Etwas, das wir leben von dem, was
wir fürchten, dem Unvermeidlichen,
dem Unbekannten, dem Grenzenlosen,
dem alles versprechen Könnendem.


So sind die Dinge hier bedeutungslos,
wie alles bedeutungslos ist!


Jedes Wort, jede Äußerung, jede
Bekanntschaft, jede Zuneigung, jedes Gefühl!
Ohne Ausnahme und ohne jeden Unterlass.


Laß uns streiten über Erwartungen,
über unerfüllte und erfüllte,
über den missverstandenen Widerklang
von Wörtern, geformt zu Sätzen,
in primitiven Äusserungen, Meinungen,
lautgewordener Sehnsüchte.


Man möchte die Faust dem Himmel entgegen
schütteln, als Zeichen des Haderns, mit sich
und der Welt und dem, was darüber ist.


Aber, wir sind nicht dumm,
nur hilflos, selbst in der Vielzahl.


So wie es ein Oben gibt und ein Unten,
ein Hier und auch ein Jetzt gibt,
so findet das Diesseitige eine unaussprechliche
Entsprechung an einem anderen, zwingendem Orte.

Dahin geht doch die Reise.



Zwischen zwei Terminen...........
von Judith Bicos (Sängerin und Schauspielerin) Kritik zu diesem Text

War gestern Abend zwischen zwei Terminen schnell Einkaufen,
hab´s aufgeschrieben, war eine ganz schöne Hetze:

.... was den Ochsen angeht, den hat der Schlachter bereits verkauft,
lediglich die Zunge streckt sich dem Betrachter in der Fleischtheke
ätsch und frech zwischen Blut- und Zwiebelwurst ergeben entgegen. Schweineöhrchen, damit spielt die Enkelin so gerne unter fliessendem
Wasser, oder Kringelschwänzchen, ein wahrer Knusperspaß zu jedem
Eintopf, für 10 Cent. In dem Stück spielen wir mit, zahlen den
Glückspfennig und finden alle Welt mehr als symphatisch.

Zwei Geschäfte weiter, beim Bäcker, wegen der Brötchen morgen Mittag,
in Plastiktüte bleiben die vier fein frisch, schneidet Leerdammer, ein
kurantes Stück, kommt nicht durch die Rinde, gebe Tipps, nicht
drücken sondern wippend schneiden, dann geht´s. Hat es aber
nicht billiger gemacht, war sauteuer, genau 46 Cent auf 100 Gramm.
Das hat mich geärgert.

Am Kiosk, wegen Tabak, die Verkäuferin ist schwerhörig, hat aber im Laufe
der Jahre Symphatie für mich entwickelt und ist zu mir nicht so grantelig,
wie zu den anderen Kunden. "Dann nehme ich noch Gizeh, Sorte A, ein mal",
brülle ich sie an, da freut sie sich, ich seh´s genau.

Die gewundene Gasse hoch in Richtung Zuhause, rein in mein Weinstein:
" Colani Costelani Choleria Chollera", 13%!, rot wie Blut, wenn nicht mehr.
Wissendes Lächeln. Er verschwindet nach hinten, Geräusche. Stolz zeigt
er vor, was er in größeren Mengen zu adequatem Preis, für mich bestellt
und vor anderen zu dem Preis versteckt hält. Unsere Beziehung währt ja
nun schon einige Jahre. "Mit ihrer roten Tinktur bereiten sie mir langsam
aber sicher das Grab, dass wissen sie ja", sage ich, worauf er kontert,
"mit Tüte?". "Nun werden sie mal nicht unverschämt, das letzte will ich
nicht gehört haben". Ich zahle den sündhaft teuren, verbilligten
Vorzugspreis und stolpere hinaus in die abendliche Gasse.

Zwei Schritte weiter, gegenüber vom Türkenpizzagrill; 10 mal leckerlecker,
1 mal umsonst, auf einem weißen Plastikstuhl vor seiner Eisdiele auf dem
Gehweg, sitzt der 75 jährige Giovanni Maestro Mastoriani, dem ich, egal
bei welcher Gelegenheit, zuwinke. "Dir gehen gut?" "Dir auch?" Sonntag
hat er wieder Geburtstag, ich mag ihn! Von meinem Balkon sehe ich ihn
oft, er ist allein. Seine Geschäfte gehen schlecht, so schlecht wie sein
Deutsch nach einem halben Menschenleben.

Dann rüber in´s Taraxakum, da wartet der Kollege im Garten.
Eine nicht unbekannte Dame hat uns für eine Gefälligkeit 20 Euro
zugesteckt. " Eine Flasche, 11%, und zwei Gläser". Es war eine
vergnügliche Stunde nach Feierabend. Am Nachbartisch saß ein
Mensch in Selbstgesprächen vertieft, aus den Fenstern des
Nachbarhauses drang der wortreiche Streit eines Paares und
wir unterhielten uns über Glutaminsäure, Vitamin E, die Matrix
und über Handgreiflichkeiten in früheren Jugendtagen.

Ich liebe das Leben, den Augenblick, wenn nicht´s weh tut und
man für den morgigen Tag noch ein bischen Licht erahnen kann.



Am Küchentisch

Nachdem mein Ärger nun wieder und wieder durch den
Wolf gedreht, gibt es wohl keinen dunklen Winkel,
in dem sich Möglichkeiten aber auch Böses
verstecken möchten. Kommt hervor, ihr schlimmen Plagen,
auf, auf zum Konzert, spielt mir das Lied aber kommt mir nicht
mit Menschlichkeit oder mit Nachsicht oder was auch sonst.
Wer gegen mich ist, ist gegen sich selbst, während ich
einfach nur, mit gefalteten Händen, an meinem Küchentisch sitze.



Ich heiße Walter

Heute traf ich Herrn Walter: " Guten Tag Herr Wagner"
"Ich heiße Walter!". "Aber Wagner ist doch so ein schöner Name."
Ob er es einsieht? Nun ... wir haben gelacht, uns über zerbrochene Schlüssel
unterhalten und die Maus tanzte mal wieder vor dem Schlangenloch.
Wohlan! Bisher hat´s ja immer geklappt, ich meine, es ging gut.

Aus Herrn Kobosch machte ich Herr Kubus, ob er beleidigt ist?
"Kubus ist doch eine schöne Form", sagte ich noch.
Wohlan! "Wir haben jetzt das Familienmodell kurz vor Jahresschluss!"

"Guter Mann! Ich bin zweimal geschieden, habe drei Kinder und versorge alle
bis an mein Grab. Ich lebe am Existenzminimum, wissen Sie, wieviel das ist?"

Verständnislose Blicke.

Verlassen Sie also diesen Raum, denn er wird gleich mit Kerosin geflutet,
ich suche mir derweil einen Kutscher, der den Weg kennt.

... oh Mann, Pototschnik.



Cuba ist beleidigt

Cuba scheint beleidigt, im besten Fall,
oder sie haben ihn an die Wand gestellt, könnte auch sein.
Dabei ging´s doch nur um Meinungsverschiedenheiten
wegen des Zentralrates und des Vorsitzenden.
Ich meine, man darf sich nicht wundern.
Aber das sieht er ja nun ganz anders.
Bemäkelt meine Rechtschreibung, gibt mir Belehrungen
wenn ich mir und mich verwechsele, ja wo sind wir denn.

Habe gestern mal vorsichtig nachgefragt ob er denn
arg böse ist mit mich, bisher keine Antwort.
Soll ich mir nun Sorgen machen?



Was ist ein Tagedieb?

Ach, ist das aufregend, wenn der Weihrauch
an den kalten Kirchenfenstern kondensiert,
bunt gefärbtes Sonnenlicht im steilen Winkel
den bläulichen Dunst durchdringt und das
Kirchenschiff in jene gelbliche Unwirklichkeit taucht,
die ich gleichzeitig so liebe wie ich sie fürchte, besonders
dann, wenn der Bischof höchstselbst mit langsamen, schweren
Schritten, in erwartungsvoll hallender Stille, die hölzerne Treppe
zur Kanzel erklimmt, sich mit beiden Armen, unentschlossen
und scheinbar verzweifelt an dicken, roten Buchdeckeln
festhält, die er oben, nach einer kurzen aber von allen
gefühlten Pause, entschlossen und vernehmlich aufschlägt.

Über den klobigen Rand seiner dickglasigen Brille mustert er
scheinbar angewidert das graue Schwarz der bekennenden
Gläubigen am kühlen Grund der Kirche.

" S Ü N D E R ! "

... tobt er plötzlich und unerwartet von der Höhe, die
graue Masse duckt sich bis ins Mark erschreckt tiefer
auf den Kirchenboden, fast zweitausend Menschen ziehen
in banger Erwartung die Köpfe zwischen die Schultern,
alles Gläubige, .... Katholiken.
Hier und da erfüllt verzweifeltes Schluchzen die heilige,
mittelalterliche Halle, ein 90-jähriges Mütterlein läßt vor
Schreck die Geldbörse mit allerelei Kleingeld klimpernd auf
die blankpolierten Marmorfliesen fallen, die es für die Kollekte
schon bereithielt, aus Sorge, nicht rechtzeitig genügend in
den Beutel stopfen zu können.

" T A G E D I E B E ! "

In angespannter Stille lauscht die Gemeinde dem Gewitter,
das da von oben herab auf sie hereinbricht, wie eine
Naturkatstrophe, ja, wie die Worte des Allmächtigen selbst.

" W A S . I S T . E I N . T A G E D I E B ? "

Unheilschwanger schwebt die Frage über allen Köpfen,
im tiefsten Innern einer jeden gläubigen Seele Antwort befehlend.

" E I N . T A G E D I E B . I S T . E I N . M E N S C H ,
D E R . D E M . L I E B E N . G O T T . DI E . Z E I T . S T I E H L T " !

Am Ende des Satzes steigt die Tonlage der Stimme des
Bischofs in hysterische Höhen. Er zieht in dem jahrhundertealten,
ehrwürdigen Gemäuer alle Register seiner von der Kirche
verliehenen Überzeugungskraft. Eine nicht enden wollende
polternde Wortlawine göttlicher Belehrungen und Ermahnungen
ergießt sich über die am Boden kauernden, zitternden Sünder.
Eine halbe Stunde lang durchleben Jung und Alt, Groß und Klein,
Arm und Reich, Gesunde und Kranke in geschrieenen, geschmetterten
und getobten Sinnbildern das wahrgewordene Weltgericht,
an . D I E S E M . Orte, in . D I E S E M . Gottesdienste, durch
D I E S E . Predigt, durch . D I E S E N . Bischof und da war doch wohl
niemand, der sich nicht zutiefst ertappt und angesprochen fühlte.

Dann unvermittelt ein sanftes
" G E H E T . H I N . I N . F R I E D E N ! "

Mit ungläubiger Erleichterung erhebt sich die graue Menschenmasse,
... vorbei, erleichtertes Aufatmen paart sich mit den ersten Tönen
der leise einsetzenden Kirchenorgel

" H O S I A N N A - O H . D U . I N . D E R . H Ö H ! "

Frische Weihrauchschwaden wabbern durch das Kirchenschiff,
ein Heer eifriger Messdiener in makellos weißen Gewändern
schwingt dampfende, silbrige Kessel über die Köpfe der Gemeinde.
Der glatzköpfige, dicke Küster mit seinem, an einem langen Stock
befestigten Kollektebeutel, kommt mit trippelnden Schritten
aus der Sakristei, ein untrügliches Zeichen für alle, dass es nun
wirklich vorbei und wieder gut sein würde. Ja, der eine oder andere
freute sich bereits schon auf seinen sonntäglichen Gang in die
Stammkneipe um das trockene Erlebnis gebührend hinunter zu spülen

Ich glaube, es könnte mir mal wieder ganz gut tun, wenn ich in
Münster an einem Sonntag in die Lambertikirche käme,
einfach nur so. Hier können Sie sich einen Ausschnitt der Örtlichkeit anschauen



Tage auf Cuba

"Ich weiß was, Du sitzt mit Deinem Schlepptopp den ganzen Tag
bei Deiner Liebsten auf dem Schoß und die Sonne brennt Dir
langsam aber sicher das Hirn raus, während die Menüs unkontrolliert
auf und zu klappen.

Ein surrealistisches Horrorszenario unter cubanischer Sonne während
der trockene Wind feinsten Staub in Böen herüberwirbelt. Ausgemergelte
Hunde liegen mit heraushängenden Zungen hechelnd überall herum und
ein dicker Polizist steht mit auf dem Rücken verschränkten Armen seit
Stunden, gleichgültig herüberstarrend unter dem löchrigen Vorbau
einer alter Hütte, die schon bessere Zeiten gesehen hat, auf der
anderen Straßenseite. Ab und zu wirbelt ein vorbeifahrender,
klappriger Amischlitten zusätzlich Staub auf und hinterläßt eine
Fahne beißenden Benzingestank.

Die einzige Abwechslung in dieser gräulichgrünen Tristesse ist
das gelegentliche dünne Läuten einer entfernten Glocke, die Dich
veranlasst, die Peseten nachzuzählen, die sich irgendwo in einer
Deiner Hosentasche befinden und darüber nachzugrübeln, ob es
früh am Morgen oder schon fortgeschrittener Nachmittag ist um
dann bei passender Gelegenheit ein vorüberschwankendes, altes
Mütterlein in fliessendem Spanisch zu überreden, dir eine eiskalte
Limonenlimonde zu bringen, mit wenig Zucker, wenn´s denn noch geht.

Und die dicken, schwarz-bläulich behaarten Fliegen, die, man glaubt
es kaum, wohlgenährt und unvorstellbar kräftig, im Windschatten
deines Suzuki 2000-Klappmonitors vor dem steten Wind Deckung
suchen und dort, nur dort, ihr Häufchen machen, weil´s da so
schön warm und sicher ist, eine wahre Aufregung."



Win.ini

Werde gleich mal die Win.ini suchen,
na, wo bist du denn, ach da, nun sei nicht
so störrisch, du dummes Ding, ist ja gleich
vorbei, halt still, sach ich.

Kann ich nicht normal in die Win.ini eindringen
ohne Theater, wie alle anderen User auch?

Werd bloß nicht frech, sonst schreib ich diir
was Feines rein, du, load and run, das alte
Reinraus-Spielchen, hör auf zu strampeln,
aua. Das hast du dir jetzt alles selber
zuzuschreiben, Flittchen.



Guter Rat

Der Tony, mei, aus Bayern, der Spezi, der Baatzige.
Da ist Dein Opera eine enge Symbiose mit
MSIE eingegangen und da hilft nur eines, Javascript
neu installieren und das geht so: Format c: eintippen
am Dos-Prompt, dann lies die Computer-Bild und da steht:
Tonis aus Bayern brauchen kein Javascript, das hat
Stoiber nämlich verboten, zu unanständig und für
eMails auch gar nicht notwendig. Wenn Du den
Artikel zu Ende gelesen hast, ist Dein System
wieder richtig jungfräulich. Da kannst Du dann
wieder alles neu installieren, denn Du hast auf
einmal soviel Platz auf der Platte,
also freu Dich doch.


Ich kann da sonst nicht mehr zu sagen, von Opera
habe ich mal gelesen, Java ist für mich eine Insel
und MSIE mag ich nicht, weil er manchmal
Schwierigkeiten mit den Javascripten hat.
Oft liegt´s ja auch am Provider oder am lieben Gott,
wer weiß das schon. Vielleicht ist es ein Virus
aber da sei ein Riegel vor, aus dem Internet, womöglich,
weil Javascript nicht funktioniert hat, das ist ja eine
Horrorvorstellung, da ist man als User ja völlig hilflos.

Am besten, Du trägst zunächst alle nicht infizierten
Rechner zu Vobis und läßt sie mal gründlich
durchchecken, dass kaputte System gibst
Du in den Müll, sicher ist sicher.



Altstadtsplitter

In der Altstadt tobt die Wildsau! Jeden Abend, jede Nacht,
Schlägereien vor der Tür und betrunkene, kreischende Weiber.
Griechen, Italiener, Türken, Holländer, auf engstem Raum
mit ihren gastronomischen Puffbuden, Eis, Dröhnburger,
Bifti, Sazikkki, Pizza, das volle Ekel-Programm.

Besoffene, krakelende Touristen, aus Bayern, Sachsen,
was weiss ich, die in diese dunkle Falle tappen,
klatsch, klatsch, die Augen dick, ich stech dir ab,
klatsch, klatsch.

Mann Gottes.

Wenn´s denn zu doll wird, zünde ich Böller auf meinem
Balkon, übriggeblieben vom Jahreswechsel 98/99 bis die
Papierfetzen fliegen. Das ist der lebendige Surrealismus,
höllische Tonalität der Gegenwart.




Die aufregenden Abenteuer eines Wassertropfens

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